Verschlechtbessert

Neuer Kiesbelag ersetzt Teerradweg – Sturzgefahr inklusive

Schotterweg
Direkt in der Kurve beginnt der neue Schotterbelag – Spuren zeugen von „Notbremsversuchen“ (Foto Rizer)


Ein knapp zwei Kilometer langer Rad- und Fußweg verbindet den Irsinger Stausee und Bad Wörishofen miteinander. Besonders beliebt bei Jung- und Alt vor allem wegen des Teerbelages und der einzigen gefahrlosen Unterquerungsmöglichkeit der St2015 zwischen den Orten Bad Wörishofen und Irsingen. Jedes Jahr wird dieser Weg von zahlreichen Radfahrern, Pedelecs, Inlineskatern und auch Wanderern benutzt.

Den Asphaltbelag hatte die Marktgemeinde Türkheim in den letzten Jahren immer wieder ausgebessert, doch er bricht immer mehr weg. Statt eine komplett neue moderne Asphaltdecke, wie bei vielen Rad- und Fußwegen, beispielsweise zwischen Zollhaus und Wiedergeltingen, zu bauen, hat sich die Marktgemeinde für die billigste und unfallträchtigste Variante entschieden. Der bestehende Asphaltbelag wird nach und nach entfernt und durch einen Schotterbelag ersetzt. Ausgerechnet in einer kaum einsehbaren Kurve am Bunkerwald wurde der erste Abschnitt entsprechend zurück gebaut. Wer also den Teerweg mit seinem Fahrrad, Pedelec oder Inlinern befährt erwartet plötzlich und völlig unerwartet in einer Kurve der rutschige Schotterbelag mit scharfkantigen Steinen und Kies. Wer es noch schafft rechtzeitig zu bremsen kommt nur ins schlingern, wer Pech hat schafft es nicht und kommt zum Sturz.

Wir fragten im Rathaus nach und wollten wissen, wie es mit dem beliebten Fuß- und Radweg weiter geht und wie man den Unfallschwerpunkt in der Kurve entschärfen möchte. Bürgermeister Christian Kähler bestätigte in seiner Antwort, dass der Bodenbelag aus oben genannten Gründen getauscht wird. Bezüglich der Sturzgefahr wird das Ordnungsamt entsprechend informiert um hier Warnschilder aufzustellen. An der grundlegenden Planung des Rückbaus des Fuß- und Radweges wird jedoch nicht gerüttelt. Hier bleibt es wie geplant, auch die restliche Asphaltdecke soll in den nächsten Wochen entfernt und durch den Schotterbelag ersetzt werden.

Den Irsinger Bürgerinnen und Bürgern schmeckt dies überhaupt nicht, auch zahlreiche Radfahrer sind mit dem Schotterbelag unzufrieden. Jürgen aus Bad Wörishofen meint dazu: “Wir fahren regelmäßig mit unseren eBikes von Wörishofen an den Irsinger Stausee, der neue Schotterbelag ist gefährlich…meine Frau ist fast in der Kurve gestürzt. Ich kann nicht verstehen, warum hier ein toller Rad- und Fußweg zurückgebaut wird”. Eine Familie aus Irsingen sieht es ähnlich, sie sind mit ihren Kindern und einem Hund unterwegs. Für die Mädchen auf den Inlinern ist am Schotterweg erst mal Umstieg auf Papas Schultern angesagt: “Das ist doch ein Blödsinn…gerade hier auf dem Weg konnten die Kinder mit den Inlinern immer schön am Waldrand fahren, ohne das Gefahr durch Autos bestand…jetzt geht das mit dem neuen Kieszeuch nicht mehr…ich finde das nicht gut!”. Maria aus der Gartenstadt sieht es anders: “Wissen Sie…mir ist es eigentlich egal. Ich laufe jeden Tag den Weg und habe mich immer wieder über schnelle e Fahrräder und Radfahrer erschreckt. Durch den Kies kann nicht mehr so gerast werden.”

Auch wenn aus Sicht der Marktgemeinde der Rückbau sicher die schnellste und günstigste Alternative ist, ist sie in Anbetracht der starken Nutzung und weiter zunehmenden Freizeitaktivität der Bürgerinnen und Bürger und der wirklich einzigen gefahrlosen Verbindung an die Kurstadt nicht nachvollziehbar. Hier wären möglicherweise Abstimmungen mit den Nachbargemeinden Stockheim und Bad Wörishofen wegen einer gemeinsamen nachhaltigen und langfristigen Investition in einen schönen modernen Rad- und Fußweg sinnvoll gewesen. Nur leider kocht weiterhin jede Gemeinde ihr eigenes Süppchen.

So werden also in Kürze Schilder auf die Sturzgefahr am Bunkerwald hinweisen. Die Familie mit den Kindern wird auf die oft von PKW, Traktoren und anderen Fahrzeugen genutzte Dorfstraße und Stockheimer Straße ausweichen, um weiterhin mit den Inlinern zu fahren. Das Credo der befragten Freizeitsuchenden: “Hier hat man wieder ein mal klassisch verschlechtbessert!”