Ärger bei Go-Ahead – Zughersteller verweigert Auslieferung

Verzögert sich der Start des neuen Betreibers der Bahnstrecke Lindau-Memmingen-München wegen eines Lieferstopps des Triebwagenherstellers?

Dunkle Wolken über der neuen Bahnstrecke (Foto: Bild von jplenio auf Pixabay)

Stadler Deutschland verweigert die Auslieferung der modernen Triebwagen für die Strecke Lindau-Memmingen-München, solange Go-Ahead Bayern an seinem umstrittenen Wartungspartner festhält. Auch die die Eisenbahngewerkschaft EVG erhebt Vorwürfe gegen den Wartungsdienstleister und kritisiert auch die Ausschreibungspolitik der Bayerische Eisenbahngesellschaft “…eine fatale Fehlkonstruktion in der Ausschreibung…”.

Noch fahren die roten Züge der DB Regio auf dem neu elektrifizierten Streckenabschnitt zwischen München und Lindau. Im Dezember soll sich die Farbe und der Betreiber jedoch planmäßig zur Go-Ahead Bayern ändern, denn diese hatte die Ausschreibung der Bayerische Eisenbahngesellschaft für den Streckenabschnitt des “E-Netzes-Allgäu” gewonnen. 

Knapp ein halbes Jahr vor Beginn ziehen jedoch dunkle Wolken auf. Go-Ahead soll die Strecke ab Dezember 2021 mit Zügen des Herstellers Stadler betreiben. Stadler aber will die Züge nicht liefern. Begründung: Go-Ahead plant, die Züge von einem Tochterunternehmen einer russischen Holding (TMHI) warten zu lassen. Stadler sieht darin einen Verstoß gegen den bestehenden Vertrag, da TMHI ein direkter Konkurrent sei. Der Vorwurf einer möglichen Industriespionage steht im Raum, so die EVG in einer Presseerklärung. 

„Wir warnen seit Jahren davor, die Instandhaltung aus den Eisenbahn- und Verkehrsunternehmen auszulagern“, sagt der stellvertretende EVG-Vorsitzende Martin Burkert. „Betrieb und Wartung gehören in eine Hand, nur so funktioniert Eisenbahnverkehr.“ Die Politik müsse nun schnell handeln, um eine befürchtete Industriespionage zu verhindern und sicherzustellen, dass der Eisenbahnbetrieb nicht gefährdet wird.

Unklar ist derzeit auch, zu welchen Konditionen die Beschäftigten von TMHI in der Wartung beschäftigt werden sollen. TMHI habe das beste Angebot gemacht, so die Geschäftsführer von Go-Ahead in einem Interview. Doch was heißt das? “Einem möglichen Lohndumping muss der Riegel vorgeschoben werden,” fordert Burkert.

Die EVG fordert Go-Ahead daher auf, die Auftragsvergabe zurückzunehmen und eine eigene Instandhaltung aufzubauen. So kann ein sicherer Betriebsstart gewährleistet werden. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die mit ihrer Ausschreibung diese Trennung von Betrieb und Instandhaltung ermöglicht hat, muss ihre Ausschreibungspraxis ändern, so Martin Burkert. „Stoppen wir diese Geisterfahrt zulasten von Industrie, Schiene und Beschäftigten bevor weiterer Schaden entsteht.“

Auch bei Go-Ahead reagiert man inzwischen zu den Turbulenzen rund um den TMHI Deal: In den Gesprächen zwischen dem Management von Go-Ahead Bayern und der Firma Stadler Deutschland konnten die grundsätzlichen Differenzen nicht überbrückt werden. „Wir bedauern sehr, dass es nicht möglich war, mit den Vertretern der Firma Stadler eine Einigung zu erzielen,“ so Patrick Verwer, Geschäftsführer der Go-Ahead-Unternehmen in Deutschland. „Um sicherzustellen, dass die – zum Teil bereits fertigen – Fahrzeuge der Firma Stadler bis zum Start des E-Netzes Allgäu im Dezember zur Verfügung stehen werden, sind wir zu weiteren Gesprächen bereit, bereiten aber unabhängig davon die nächsten Schritte vor und werden auf jeden Fall ab Dezember den Betrieb aufnehmen.”

Die Unstimmigkeiten sind vor dem Hintergrund entstanden, dass Go-Ahead derzeit Züge vom schweizerischen Unternehmen Stadler bauen lässt und diese Züge im Auftrag von Go-Ahead in einer Werkstatt des Unternehmens TMH International gewartet werden sollen. TMH International gehört zur Transmash-Gruppe, einem großen, international aufgestellten Eisenbahndienstleister. Derartige Wartungsverträge sind in der gesamten Bahnbranche üblich; daher ist es für Go-Ahead unverständlich, dass Stadler die Züge und die dazugehörigen Wartungsdokumente nicht wie vertraglich vereinbart übergeben will.

Eine Lösung wie der Start im Dezember nun trotzdem klappen soll, liefert Go-Ahead jedoch nicht. Ob jetzt die notwendigen Züge des Herstellers Stadler auf der Strecke Lindau-Memmingen-München fahren werden oder bis zum Start noch eine andere Möglichkeit gefunden wird ist offen. Derweil nutzt die DB Regio die Gunst der Stunde und setzt inzwischen weiterhin auf seine zuverlässigen und beliebten DoStos (Doppelstock-Waggons) die nunmehr statt von schweren Dieselloks von modernen E-Loks gezogen werden.